Barrierefreier Zugang

Computer sind für unser Lebens- und Arbeitsumfeld zu einem unverzichtbaren Instrument zur Bewältigung der täglichen Aufgaben geworden. Blinde und Sehbehinderte sind derzeit jedoch stark benachteiligt, wenn es darum geht, selbständig digitale Computer-Informationen lesen und interpretieren zu können, besonders, wenn es sich neben reiner Textausgabe um grafische und strukturierte Informationserfassung handelt. Zwar lässt sich eine sogenannte Braillezeile an den Computer anschließen. Diese gibt allerdings Textbestandteile aus dem Bildschirminhalt nur einzeilig und nacheinander in Blindenschrift wieder. Es bleibt aber das Problem, dass zum Beispiel eine typische Webseite mit vielen grafischen Elementen oder auch Excel-Tabellen nur unvollständig in der Braillezeile wiedergegeben werden können. Zudem können Blinde den Gesamtüberblick einer Datei oder Webseite nur schwer herstellen. Das sind jedoch unmittelbare Voraussetzungen, um in Ausbildung und Beruf moderne, PC-gestützte und anspruchsvolle Arbeiten ausüben zu können.

Ein Nutzer bedient die Stiftplatte

Grafikfähiges Display für Blinde

Das Projekt HyperBraille schafft mit dem Braille-Flächendisplay nun erstmals die Voraussetzung, dass Blinde und Sehbehinderte viel umfassender als bisher Zugang zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und sogar Zugang zu ganz neuen Berufsbildern erhalten.

Softwareentwicklung optimiert Nutzung von Office-Anwendungen für Blinde

Das Flächendisplay ist eine Art grafikfähiger Laptop für Blinde und Sehbehinderte. Neben der Hardware wird im Projekt Hyperbraille auch die zur Ansteuerung des Flächendisplays nötige Software entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei die optimierte Nutzung der gängigen Office- und Internet-Anwendungen, die in der Arbeitswelt eingesetzt werden. Auch die Ausbildung von blinden Kindern und Jugendlichen soll künftig von HyperBraille profitieren.

Mit der berührempfindlichen Stiftplatte wird die Menge der für blinde Computernutzer nun beidhändig wahrnehmbaren Information drastisch vergrößert. Räumliche Strukturen und grafische Symbole werden als zusätzliche Informationen erfahrbar. Im Idealfall können Objekte wie Textabsätze, Tabellen, Benutzeroberfläche, Menüs und andere Elemente der Windows-Benutzeroberfläche vollständig auf der Stiftplatte abgebildet werden. Weiterhin können auch geometrische Zeichnungen, Raumskizzen, Diagramme u.v.m. blinden Schülern im Unterricht zugänglich gemacht werden. Technische Zeichnungen, elektrische Schaltpläne oder auch die Unified Modeling Language, die zur Softwareentwicklung eingesetzt wird, könnten blinden Menschen den Zugang zu neuen Berufsbildern ermöglichen.

Das Braille-Flächendisplay – die Technik

Das Braille-Flächendisplay besteht aus 7200 Stiften (60 Zeilen mit je 120 Stiften). Die Oberfläche ist außerdem mit Sensoren ausgestattet. Kernstück der Stiftplatte ist ein Modul, das 10 Stifte mit je 2,5 mm Abstand in einem Kunststoffmodul integriert. Die Stifte werden durch vertikal montierte Piezobieger aus der Platte 0,7mm herausgeschoben. Derartige Module können kompakt und beliebig in zwei Dimensionen aneinander gereiht werden.

Einzelnes Modul der Stifplatte mit 2 mal 5 Punkten und berührempfindlicher Oberfläche

Eine erste Stufe auf Basis der Stiftplatte der Metec-AG aus dem Jahre 1985 hat Herr Friedrich Lüthi (Metec AG) unter dem Namen ‚Tawis‘ entwickelt. Folgender Film demonstriert den Einsatz der alten elektromagnetisch gesteuerten Stiftplatte:

Bis zum Projektende 2010 sollen die Module Schritt für Schritt so optimiert werden, dass u.a. durch eine verringerte Bauhöhe die Stiftplatte mobil wird.